Edinburgh zum Dritten - Das war's!

Durch die Hintertür sind wir gestern nochmal nach Schottland zurückgekommen. Uns blieb ja auch nichts anderes übrig. Erst morgen geht von Edinburgh unser Flieger. Die Strecke, die wir von Berwick upon Tweed bis zu Schottlands Hauptstadt fuhren, war im Zug gerade mal eine Dreiviertelstunde lang. Zu Fuß haben wir die ganze letzte Woche dafür gebraucht. Und doch war diese Strecke nur ein kleiner Teil von dem, was wir insgesamt tatsächlich geschafft haben. Wir können zufrieden mit uns sein.

 

In Edinburgh ist so langsam Hochsaison. Die Menschen schieben sich auf den Straßen, laufen den Stadtführern hinterher oder lassen sich mit den doppelstöckigen Bussen (oben offen) durch die Straßen kutschieren. Die Straßencafés, Restaurants und Bars sind voll. In den Pubs laufen die Fernseher und berichten von den bevorstehenden Problemen mit dem Brexit, von Wimbledon und von der Fußball-Europameisterschaft.

 

Unser "Euro-Hostel" an der Cowgate ist eigentlich ein Studentenwohnheim, wird aber während der Sommersemesterferien von den Studenten geräumt, um Platz zu schaffen für die jungen (oder jung gebliebenen!) Touristen aus aller Welt. Als wir gestern eincheckten, brandete draußen wiederholt mächtiger Jubel auf. Das konnte nur "Open Viewing" bedeuten, in unmittelbarer Nähe. Und richtig! Keine 50 m entfernt gibt es einen großen Biergarten und dort treffen sich die Fußballbegeisterten. Damit war die Abendgestaltung gesichert. Mindestens dreihundert Fans saßen mehr oder weniger feuchtfröhlich zusammen, und wenn mehrheitlich Schotten und einige Engländer zusammensitzen, um ein Achtelfinalspiel Englands gegen den sympathischen Außenseiter Island zu verfolgen, dann kann man sich die Verzweiflung der Engländer und die Schadenfreude der Schotten vorstellen, wenn Goliath gegen den kleinen David verliert - erst recht nach dem Brexit. Tja, erst der Brexit, dann der Exit!

 

Heute Morgen dann in aller Ruhe den Rest des Besichtigungsprogramms für Dieter: rauf auf Calton Hill mit seinen tollen Ausblicken auf Stadt und Burg, auf den Firth of Forth mit der Forth Bridge, den Hafenvorort Leith und seinen beiden Küstenlinien, die wir entlangmarschiert sind und die so manche Erinnerungen wecken, auf Arthur's Seat und Holyrood Palace, wo, wie wir später am Palace erfahren, gerade das königliche Paar anwesend ist, vielleicht auf der Durchreise nach Balmoral Castle, ihrem Sommerferien-Schlösschen, vielleicht aber auch nur, um das nach dem Brexit-Referendum etwas unwirsch gewordene Volk der Schotten allein durch ihre Anwesenheit etwas zu beruhigen.

 

Direkt gegenüber von Holyrood Palace steht seit einigen Jahren das neue schottische Parlament. Wir haben Glück, können es sogar ohne vorherige Anmeldung von innen besichtigen, nur zwei Stunden bevor Nicola Sturgeon, die Erste Ministerin und Vorsitzende des Parlaments Schottlands, den "Austretern" ordentlich die Meinung geigen wird. Und das heute in unmittelbarer räumlicher Nähe zu Her Majesty, uih,juijui...!

 

Wir bummeln nochmal die Royal Mile rauf bis zur Burg - und damit hat Dieter genug von Edinburgh gesehen. Ich jetzt mittlerweile auch, bin ich doch immerhin schon das siebte Mal hier. Ich denke, das wird es dann auch gewesen sein.

 

Und wie das dann bei mir am Ende immer so ist: Es stellt sich so etwas wie Schwermut ein. Nichts geht spurlos an einem vorüber, schon gar nicht so etwas wie die vergangenen Wochen. Vieles in mir will weiter auf diesem Weg. Ja, immer so weiter. Wie lange kann man bewahren, erinnern? Doch nicht nur Schwermut ist da, auch die Freude über das Vergangene, über das, was man gesehen, erfahren und erlebt hat. Es ist die große Freude darüber, dass ich es körperlich noch kann, dass ich mir immer noch nicht sagen muss: "Das nächste Mal lieber nicht mehr, es ist jetzt genug!" Es ist auch die Vorfreude auf das Kommende: Das Wiedersehen mit der Familie, mit Freunden. Die Freude, meine Enkelkinder in den Arm nehmen zu können. Die Freude, auf die Enkelkinder zu warten, die "in Arbeit" sind. Die Freude auf meine nächsten Buchlesungen, meine Theatervorstellungen, meine Bandkonzerte. Und dann natürlich die Vorfreude darauf, meine nächste Wanderung vorzubereiten. Volles Programm also!

 

In ein paar Tagen, wenn ich wieder vollständig zu Hause angekommen bin, werde ich "Schottland zu Fuß" noch einmal in den Blick nehmen, ein Fazit ziehen. Heute Abend geht es zum vorläufig letztenmal in einen Pub - mit Livekonzert.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Inge Geisler (Dienstag, 28 Juni 2016 21:01)

    Gute Heimreise! Man sieht sich!

  • #2

    Sebastian (Donnerstag, 30 Juni 2016 11:49)

    Schön, dass du wieder da bist!!

  • #3

    Die Pilgertochter (Donnerstag, 30 Juni 2016 14:06)

    Willkommen zu Hause!