Edinburgh - zum Zweiten

Ruhetag

Ich glaube, ich habe gestern am Ende meines Berichts ganz vergessen zu erwähnen, dass wir mit unserer Unterkunft "Almond House Lodge" den äußersten Rand von Edinburgh erreicht haben. Vor neun Wochen begann hier meine Reise.

 

Wandernd werden wir uns nicht in die Stadt hineinbegeben, da morgen unser John Muir Way auch nicht durchs Zentrum gehen wird, sondern weiterhin der Küstenlinie des Firth of Forth über Leith und Portobello folgt. Aber natürlich legen wir nicht einen Ruhetag in Edinburgh ein, ohne im touristischen Kerngebiet gewesen zu sein. Denn erstens kennt Dieter die Stadt nicht und zweitens kann ich sie mir auch ein fünftes Mal gerne ansehen. Und drittens wäre die Frage, was wir sonst den ganzen Tag machen sollten. Faulenzen? Geht gar nicht!

 

Unerwartet eröffnet sich von unserer Unterkunft aus die Möglichkeit zur Nutzung eines Shuttlebusses, ab Hotelparkplatz bis ins Zentrum. Pünktlich zur geplanten Abfahrtszeit um 9.30 Uhr stehen wir auf dem Parkplatz - aber kein Bus kommt. Erst der nächste um 10 Uhr ist pünktlich. Auf unsere Frage hin, wo denn der erste geblieben sei, kommt nur die lapidare Antwort: "Der war schon voll!" Anscheinend war dieser genau wie der jetzige ein Achtsitzer, und der ist mit Dieter und mir jetzt auch voll. Glück gehabt!

 

Nicht weit von der Princes Street werden wir abgesetzt, dort, wo wir uns um 16.30 Uhr auch wieder für die Rückfahrt einfinden müssen. Dann beginnt das übliche Besichtigungsprogramm: ein paar hundert Meter durch den Princes Garden unterhalb der Burg, dann bei der National Gallery rauf zur Altstadt und zur Royal Mile, rechts rum Richtung Edinburgh Castle. Was auffällt sind die Massen an Menschen, die mittlerweile die schottische Hauptstadt bevölkern. Touristenströme bewegen sich durch die Gassen und über die Plätze - und stehen vor allem an diesem Morgen in langen Reihen vor dem Ticketverkauf zum Castle. Genauso fällt auf, dass jetzt die "Esplanade", der große Vorplatz der Burg, kein Platz mehr ist, sondern eigentlich ein von drei Seiten von Zuschauerrängen umschlossenes Stadion, nur offen hin zum Eingang der Burg. Alle Vorbereitungen laufen zum nächsten, immer die ersten drei Wochen im August stattfindenden "Edinburgh Military Tattoo", einem großen Militärkapellen-Spektakel, mit Pipe-and-Drums-Bands, vielen Kilts und Dudelsäcken, mit Formationsmarschieren, bekannten schottischen Weisen und "Auld lang syne" am Schluss, stimmlich begleitet aus tausenden Zuschauerkehlen. Hat schon was! Würde ich gerne mal live erleben.

 

Nach 20 Minuten Schlangestehen an der Kasse (vor neun Wochen mit den Kindern war das in zwei Minuten erledigt), stürmen wir die Burg - und mit uns Hunderte von anderen Touristen. Jetzt kenne ich das Castle, könnte mich eigentlich als Fremdenführer verdingen. Nach der Burg dann runter zum Grasmarket, dorthin, wo heutzutage abends reger Kneipenverkehr herrscht, im Mittelalter und bis hin ins 18. Jahrhundert hinein der Galgen stand. Wir gönnen uns im Pub "The Last Drop" ein Bier, an gleicher Stelle, wo früher auch den Todeskandidaten ein letzter Schluck vergönnt war. Dann Greyfriars Kirkyard mit dem Grab von Greyfriars Bobby, einem kleinen Hund, der sage und schreibe 14 Jahre lang am Grab seines verstorbenen Herrchens ausharrte, bevor er selbst hier starb. Von dort wieder hoch zur Royal Mile, an Dudelsack- und Gitarrenspielern und anderen Straßenkünstlern vorbei bis zur Kathedrale St Gile's. In der Kathedrale setzt sich Dieter in die Sitzreihen, nicht etwa um insichzugehen, sondern schlicht um sich von der anstrengenden Besichtigungstour zu erholen. Über die North Bridge, an Waverley Station vorbei und durch die Newtown trotten wir wieder zurück zum Bus.

 

Es reicht jetzt auch. Den Rest "machen" wir bei unserem nächsten Tag in Edinburgh, am Ende unserer Wanderung, einen Tag bevor es mit dem Flieger wieder nach Hause geht. Jetzt fahren wir wieder ins "Almond House" und gucken das nächste Spiel "unserer Jungs" bei der Fußball-Europameisterschaft. Gleich ist Anstoß!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0