Teures Pflaster

Golspie - Dornoch (21 km)

Ich hatte es eigentlich schon lange nicht mehr, dass es bereits regnet, als ich losgehe. Doch heute ist es mal wieder so weit. Kein starker Regen ist es, aber einer der, lässt man ihm nur lange genug Zeit, auch lästig werden kann. Ich könnte jetzt meinen kultigen Regenschirm aufspannen, ich lass es aber. Die vergangenen Tage mit Bewässerung von oben haben gezeigt, dass meine Bekleidung dem ganz gut standhält. Mal sehen...

 

Die Wolken hängen tief. Der erste Graf von Sutherland da oben auf seiner Säule kann sich hinter ihnen verstecken. Sollte er immer tun, aus Scham! Kaum denke ich das, reißen die Wolken genau an der Stelle auf und der Graf wird sichtbar. Fast scheint es, als grinse er hämisch zu mir herunter.

 

Wieder muss ich an der A9 entlang. Die Autos selbst stören mich nicht besonders, aber jedes Mal wenn sie (vor allem die LKW) an mir vorbeizischen, bekomme ich eine kleine Ladung Wasser auch von unten. Also, ich hätte jetzt nichts dagegen, wenn es mal wieder unterwegs etwas ruhiger zugehen würde. 

 

Nach einigen Kilometern kehrt tatsächlich Ruhe ein. Ich kann die viel befahrene Straße verlassen und biege auf eine einspurige "Scenic Coastal Route" ein. Wunderschön läuft sie unmittelbar am Loch Fleet entlang, einem gezeitenabhängigen und seegleichen Gewässer nahe der Küste. Herrlich ist der Blick hinüber zu den Bergen der Highlands, im Wasser tummeln sich Eiderenten, darüber kreisen die Möwen und ab und zu erwische ich sogar mal ein paar Seehunde, wie sie auf einem Felsen im Wasser vor sich hindösen. Und während ich so gehe und das alles genieße, hört sogar der Regen auf.

 

Das Vergnügen am Loch Fleet entlang währt nicht lange, dann schwenke ich wieder von ihm weg. Die kleine Straße aber bleibt mir erhalten. Ich komme nach Embo, einem kleinen Ort unmittelbar an der Küste. Schon auf der Karte konnte ich erkennen, dass hier die kleinen Häuser ganz eng zusammenstehen, enge Straßen kreuz und quer verlaufen. Und schon haben mich die Clearences der Sutherlands wieder ein! Embo ist nichts anderes als ein Dorf, das hier planmäßig angelegt wurde, um zwangsumgesiedelte Crofter aufzunehmen. Die kleinen Häuser, die Art, wie sie - eng zusammenstehend - alle mit der schmalen Seite zur See ausgerichtet sind, um den Meereswinden nicht viel Angriffsfläche zu bieten, die Nähe zur Wasserlinie, alles ist so typisch für die Dörfer, in denen die Vertriebenen seinerzeit leben mussten. Die Frauen kümmerten sich um Haus, Garten und Kinder, die Männer zogen mit ihren Booten aufs Meer, um den Heringsschwärmen nachzustellen. 

 

Heute fischt man hier keine Fische mehr, sondern Urlauber. Direkt hinter den Dünen der Nordsee stehen auf einem riesigen Gelände die großen Wohncaravans, Wohnwagen und Motorhomes, einige Ferienwohnungen, die eher an Container erinnern, stehen in Reih' und Glied direkt am Strand. Viel los ist im Moment noch nicht und die wenigen Menschen, die hier sind, sitzen wohl jetzt lieber mit einem heißen Tee in ihren angemieteten Feriendomizilen und spielen Bridge als im Sand Burgen zu bauen. Aber an heißen Sommertagen steppt hier bestimmt der Bär.

 

Auf der ehemaligen Trasse einer alten Bahnlinie, die sich durch ganze Stechginsterwälder schlängelt, gehe ich weiter auf Dornoch zu. Als sich zwischen den Büschen dann mal Lücken auftun, sehe ich, wie er sich dahinter ausbreitet: der "Royal Dornoch Golf Course". Zwischen meinem Weg und den Dünen zieht er sich dahin, Trüppchen von Golfspielern sind auf ihrer Runde, alle im üblichen Dress und mit der besten Ausrüstung. Hier achtet man auf sich, spielt man doch auf einem "Championship Course", einem der "Top Dozen Golf Courses" auf der Welt und auf dem nördlichsten von diesen sowieso. 

 

Die Häuser, an denen ich bald vorbeikomme, sehen auch so aus, als hätten deren Besitzer früher ein paar dieser Championships gewonnen. Jetzt schauen sie von ihren weichen Ledersesseln hinter großen Glasfenstern oder von ihren monströsen Terrassen hinunter aufs Green und denken an vergangene ruhmreiche Tage.

 

Das ganze Dornoch, dessen Zentrum ich bald darauf betrete, scheint vom Golf zu profitieren. Alles sieht ein wenig gepflegter aus, vornehmer, bunter, teurer. Dornoch Castle ist heutzutage nicht umsonst eine besondere Hoteladresse und in der gegenüberliegenden kleinen Dornoch Cathedral hat im Dezember 2000 immerhin die Popikone Madonna ihren Sohn Rocco taufen lassen und legte dann am nächsten Tag mit ihrer Hochzeit mit Guy Ritchie im nahegelegenen Schloss Skibo mal eben nach.

 

Meine Unterkunft, das "Woodlands B&B", liegt etwas außerhalb, ist etwas bescheidener als so manches Golfer-Hotel im Zentrum. Trotzdem ist sie immer noch teuer genug, ein Spitzenreiter unter meinen Adressen. Ein Dornoch-Preis eben!

 

 

Sieh dir meinen 21,2 km-Lauf auf Strava an: https://www.strava.com/activities/580030222

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Der Kronprinz (Montag, 30 Mai 2016 16:00)

    Auf den Spuren von Madonna? Cool!!

  • #2

    Hyo Severino (Freitag, 10 Februar 2017 06:21)


    Wow, this piece of writing is pleasant, my sister is analyzing these kinds of things, so I am going to let know her.