Kaum was los

West Sandwick - Ulsta Pier (11 km)

Es gibt Tage, da häufen sich die Ereignisse, über die man mehr oder weniger ausführlich berichten kann. Dann gibt es Tage, da sollte man einen Bericht nicht künstlich in die Länge ziehen, wenn kaum was los war. Der Tag heute gehört zur zweiten Kategorie. 

 

Zunächst mal ist er nur ein halber Wandertag. Von West Sandwick geht es nur bis zum Ulsta Ferry Terminal, dort wo die Fähre von Ulsta auf Yell nach Toft auf Mainland übersetzt. Wegen Schwierigkeiten bei der Unterkunftsfindung in einer wandertauglichen Distanz werden wir Fünf anschließend wieder zurück müssen nach West Sandwick, um eine zweite Nacht im Quam B&B zu schlafen. Das Problem ist nur, dass am heutigen Sonntag auf den gesamten Shetlands keine Linienbusse fahren und es somit zwei Möglichkeiten gibt: Entweder wir gehen denselben Weg bzw. dieselbe Straße wieder zurück oder wir lassen uns von einem Taxidienst zurücktransportieren. Wir entscheiden uns für die letzte Variante, lassen uns von unserer freundlichen Gastgeberin eine Telefonnummer geben, die wir bei Ankunft in Ulsta anrufen sollen und ziehen los.

 

Der Wind ist heute erheblich weniger aktiv als an manch anderen Tagen, aber trotzdem ist es immer noch kalt genug. Die arktische Kaltluft weht weiterhin über uns und soll uns bzw. mich auch in den nächsten Tagen nicht verlassen. Die Wolken sind heute zwar dichter als sonst und ziehen langsamer über uns hinweg, machen dafür aber auch leider der Sonne seltener Platz. Sehr positiv aber: Es schneit oder regnet kein einziges Mal. So tippeln wir denn auf der Straße entlang, mit geringem Auf und Ab, aber immer mit einem herrlichen Ausblick auf die See und das gegenüberliegende Mainland.

 

Ein wenig gehe ich wieder voraus, ähnlich einem Wanderführer, der ich aber doch eigentlich im Moment gar nicht sein möchte. Ich freue mich über die Nachricht von Basti, dass er ohne jede Schwierigkeiten die Fährfahrt nach Aberdeen geschafft hat (später auch gesund und munter mit dem Flieger in Düsseldorf landet) und über den Eintrag einer lieben Mitwanderin vom Jakobsweg 2013, Ricarda, im Gästebuch meines Blogs. Genauso freue ich mich über die vielen Menschen, die mich hier auf meiner Seite begleiten und natürlich besonders über die, die dies mit ihren Kommentaren dokumentieren. Vielen Dank an euch alle und bleibt mir weiterhin treu!

 

Außer der kargen Landschaft und der weiten See zu unserer Rechten sind immer wieder die lieben Schafe unsere ständigen Begleiter. Anni hatte mal den Plan, alle Schafe an einem Wandertag zu zählen, verwarf aber diesen Gedanken wieder, weil sie sich dann wahrscheinlich den Zorn von uns allen zugezogen und am Abend schlecht in den Schlaf gekommen wäre. Immer wieder herrlich und ein Blickfang: die Lämmer. In dieser Hinsicht ist die Zeit unserer Wanderung wohl gut gewählt. Zwei Wochen früher hätte es den größten Teil von ihnen noch gar nicht gegeben. Zwei Wochen später wären sie vielleicht nicht mehr so gigantisch niedlich.

 

Nach kaum drei Stunden Gehzeit kommen wir am Pier von Ulsta an, genau in dem Moment, als eine Fähre anlegt, ihren großen "Schnabel" öffnet und einige Autos und Wohnmobile ausspuckt. Dabei registriere ich, dass ich in diesem Moment die ersten Wohnmobile auf den Shetlands bewusst wahrnehme. Bisher war diese Form des Tourismus noch nicht vertreten, vielleicht fängt sie jetzt so langsam an. Nach kurzer Zeit ist die Fähre wieder aufnahmebereit und einige Autos warten auf dem großen Parkplatz bis es wieder heißt : "Roll on - roll off!" Morgen werde ich mein Wheelie an Bord rollen.

 

Wie vorgesehen rufe ich nun Jonny Nisbet an und bitte ihn, uns am Pier abzuholen und nach West Sandwick zurückzubringen. Seine Antwort ist kurz und knapp: "Gimmie ten minutes and I'll pick you up!" Klare Ansage! Es dauert wirklich nicht länger bis er eintrifft, uns in seinem Wagen Platz nehmen lässt und losfährt. Dann folgt wieder mal die Erfahrung: Für eine Strecke, die man drei Stunden lang mit den Füßen abmisst, braucht ein Auto keine zehn Minuten. Irgendwie ist das einfach etwas unfair!

 

Der Rest des Tages ist Relaxen. Wir alle nehmen eine kurze Auszeit bei einem Nickerchen, dann geht das Jungvolk zu einem Fußbad an den nahegelegenen Strand, während ich schreibe. Und jetzt habe ich schon wieder viel mehr geschrieben als ich eigentlich wollte...

 

 

Sieh dir meinen 10,5 km-Lauf auf Strava an: https://www.strava.com/activities/555197895

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sebastian (Montag, 25 April 2016 23:02)

    Ich seh schon, ganz schön langweilig ohne mich...

  • #2

    Helmut Plänker (Dienstag, 26 April 2016 10:16)

    Hallo zusammen!

    Aus sicherer Entfernung und trockenen Räumen lesen wir, inzwischen neidlos, von Euren Erlebnissen. Bald werden wir hoffentlich von Annika und Niels "live" mehr erfahren - Dank auch an diese für die Karte.
    Viele liebe Grüße von
    Margret und Helmut