Fähre mit Verspätung

Anreise Edinburgh - Aberdeen - Lerwick

Heute Morgen erreicht uns die Bestätigung von Northlink Ferries auf die Mailnachricht von gestern Abend, in der man uns mitteilte, dass sich aufgrund der Wetterlage (starker Wind und demzufolge hoher Wellengang) das Ablegen der Fähre aus dem Hafen von Aberdeen in Richtung Shetlands verzögert. Geplante Abfahrt wäre jetzt gegen Mitternacht, Ankunft in Lerwick gegen Mittag am Dienstag. Eigentlich ist das eine ganz gute Nachricht, bedeutet sie doch, dass wir an Bord schön ausschlafen können, bevor die Shetlands in Sicht kommen. WENN wir schlafen können! Hoher Wellengang, ein rollendes Schiff, Innenkabine, mhm..., speziell Basti wird etwas blass um die Nase bei diesen Aussichten.

 

Nach unserem Frühstück in der Selbstversorgerküche checken wir aus und machen uns auf zum Bahnhof Waverley. Die von mir online gebuchten Fahrkarten für den Zug nach Aberdeen ziehen wir uns aus der Selfservice-Ticket-Machine in der großen Wartehalle und sitzen wenig später im Zug. Wieder ist es nicht so einfach, meinen Wheelie in Sitzplatznähe zu verstauen, aber letztendlich funktioniert es dann natürlich doch. Aber nur weil ich Hilfe habe, denn durch den Mittelgang passt er nicht. Zu zweit müssen wir ihn hochstemmen und über einige Sitzreihen hinwegtragen, bis er am Ende des Waggons in einer kleinen Ecke seinen Platz findet.

 

Über zwei Stunden hinweg geht jetzt die Fahrt nach Aberdeen. Wir überqueren den Firth of Forth über die mächtige Stahlkonstruktion der Railroad Bridge und nehmen von da an eine Strecke, der ich in einigen Wochen wieder begegnen werde. Einige Zeit lang geht es in unmittelbarer Nähe zur Küste entlang, ich lese an den Bahnhöfen Schilder mit den Namen von Städten, in denen ich in ein paar Wochen übernachten werde. Ich sehe Abschnitte, die recht flach aussehen, aber auch andere, die mich ordentlich Schweiß kosten werden. Vielleicht werde ich in einigen Abschnitten von einer gnädigen Sonne beschienen, in anderen mit ausgiebig Wasser von oben beschüttet. Ich sehe große Städte wie Dundee oder Stonehaven und kleine Dörfer, die sich mit ihren grauen Steinhäusern in Küstennähe gegen den Nordseewind stemmen. Wenn ich hier entlangwandere, werde ich den größten Teil meiner Strecke aber bereits hinter mir haben.

 

Um kurz vor 14 Uhr fahren wir in Aberdeen ein. Direkt hinter dem Bahnhof leuchtet uns die Schrift von Northlink Ferries an einem flachen Zweckbau im Hafengelände entgegen, dem Terminal des Unternehmens, welches mit ihren Fähren das schottische Festland mit den Orkneys und den Shetlands verbindet. Hinter dem Terminal erkennen wir auch die blau-weiße "Hrossey", unsere Fähre. Die Sonne scheint, im Gegensatz zu Edinburgh haben wir das Gefühl, dass es ein paar Grade milder ist, die "Hrossey" liegt irgendwie zufrieden in den relativ ruhigen Wassern des Hafenbeckens - hohe Wellengänge können wir uns kaum vorstellen. Ist diese Abfahrtszeit-Verschiebung wirklich notwendig gewesen? 

 

Wir wollen noch in die Stadt hinein. Weniger zu einer Sightseeingtour (dafür gibt Aberdeen nicht gerade viel her), sondern für einen notwendigen Einkauf. Lebensmittel müssen beschafft werden, gerade auch für das morgendliche Frühstück auf der Fähre. Anni und Niels brauchen noch Brennspiritus für ihren Kocher, denn im Flieger hätten sie das Zeug wohl kaum mitnehmen können. Am Terminal ergibt sich die Möglichkeit, unser Gepäck zu lagern, eine nicht unerhebliche Erleichterung. Wir können damit sogar direkt durch den Sicherheits-Check, was sich mit meinem Wheelie mal wieder nicht als so einfach darstellt. Irgendwie geht es dann aber doch und wir ziehen im wahrsten Sinne des Wortes "erleichtert" hoch in die Stadt.

 

Es finden sich die Lebensmittel, es findet sich der Spiritus, wir gönnen uns eine kleine Mahlzeit, um uns später die happigen Preise an Bord zu ersparen und sind pünktlich um 17 Uhr zum Check-in wieder zurück am Terminal. Als Fußgänger sind wir so ziemlich die ersten, die an Bord gehen. Viele Reisende werden es sowieso nicht. Touristen gibt es um diese Jahreszeit noch nicht in größeren Mengen und die meisten Menschen an Bord sehen sowieso aus wie Shetländer, die nach ein paar Tagen auf dem Festland wieder auf ihre Inseln zurückfahren. 

 

Nach dem Einrichten in unseren beiden Kabinen und einem kurzen Bordrundgang ziehen sich Anni, Kati, Niels und Flo in ihre Kabine zurück, ich setze mich in eine Ecke des Selbstbedienungsrestaurants und schreibe all die Zeilen, zu denen ich in den letzten beiden Tagen nicht gekommen bin. Basti, der mir noch zwei Stunden Gesellschaft geleistet hat, verabschiedet sich dann auch ("Vielleicht schlafe ich ja ein, bevor mir richtig schlecht wird!"). 

 

Wenige Minuten nach 23 Uhr heißt es auf der Hrossey "Leinen los und Maschinen volle Kraft voraus!" Langsam bewegt sich die Fähre aus dem Hafenbecken hinaus und die Lichter von Aberdeen werden kleiner und kleiner. 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sebastian (Dienstag, 19 April 2016 19:15)

    Was für eine Nacht... Was kommt nach seekrank? Seekoma? So etwas in der Art hatte ich...

  • #2

    Der Kronprinz (Mittwoch, 20 April 2016 15:27)

    Ach du Scheiße!!!! Ich hatte es fast befürchtet. Dann erhol dich gut...