Ankunft in Edinburgh

Anreise Windeck - Köln - Edinburgh

Der Wind fällt uns schon besonders auf, als wir aus dem Flughafengebäude von Edinburgh nach draußen treten. Biestig kalt weht er uns entgegen, wir sind eben nicht im Sommer hier.

 

Als wir beim Schnellbus, der uns in die Stadt hineinfahren soll, ein Ticket kaufen wollen, werde ich höflich darauf hingewiesen, dass für meinen Wheelie im Bus kein Platz ist, ich möge doch bitte die Tram wählen, die Haltestelle sei nur wenige Meter weiter. Jetzt haben ja nicht alle einen Wheelie, trotzdem erklären sich Anni und Niels, Sebastian, Florian und Kati mit ihrem Vater bzw. "Schwiegervater" solidarisch und nehmen ebenfalls die Tram, auch wenn sie ein Pfund teurer ist und länger braucht, um das Zentrum zu erreichen.

 

An der Haltestelle Princesstreet verlassen wir die Tram und sind sofort mitten im Shoppingtrubel dieser großen Edinburgher Einkaufsstraße. Es sind wohl hauptsächlich die Edinburgher selbst, die hier hektisch unterwegs sind, Touristen dürften zu dieser Jahreszeit noch nicht so viele in der Stadt sein. Doch auch in der Altstadt, die wir über steile Treppen erreichen, treffen wir diese besondere Menschengattung (zu der wir jetzt auch gehören) bei weitem nicht so zahlreich an, wie ich es von meinen früheren Aufenthalten in Schottlands Hauptstadt kenne.

 

Ganz in der Nähe zur Royal Mile und zum Castle finden wir schnell unser Hostel, checken ein, beziehen unsere zwei Dreier-Zimmer - und wir haben schon 16 Uhr. In zwei Stunden schließt oben die Burg ihre großen Tore, aber es wäre immer noch Zeit genug für eine grobe Besichtigung. Vor allem würden wir uns morgen früh bei Öffnung langes Schlangestehen am Kassenhäuschen sparen. Also hin!

 

Die Eintrittskosten tun zwar etwas weh, aber nach dem Rundgang sind alle mit dem zufrieden, was sie gesehen haben: Kanonen, waffenstarrende Repräsentationsräume, die schottischen Kronjuwelen, eine kleine Kapelle, Museumsabteilungen, tolle Ausblicke auf Edinburgh. Weiter dann die Royal Mile hinunter: Pubs, Restaurants, Schottenröcke im Überangebot, Ansichtskartenständer, Kopfsteinpflaster, jede Menge historischer Bauten, hauptsächlich Grau in Grau. Wenn die Sonne sich hinter Wolken versteckt, sieht es noch grauer aus, wenn sie zurückkommt, ist sofort wieder alles viel freundlicher. 

 

Zum Abschluss des ersten Edinburgh-Rundgangs besteigen wir den Calton Hill. Eindrucksvoll von hier oben der Blick auf Edinburgh mit dem Castle und hinüber zum Firth of Forth, dem weiten Mündungstrichter des Flusses Forth, der sich einige Kilometer weiter östlich in die Nordsee ergießt. In einigen Wochen werde ich auf beiden Seiten des gewaltigen Trichters entlangwandern und ihn über die weitgespannte Roadbridge, die ich weit hinten ausmachen kann, überqueren.

 

Im Moment ziehen schwere Regenschauer über den Forth und es dauert nicht lange, dann rauscht ein beachtlicher Hagelschauer über uns und den Calton Hill hinweg. Meine durchlöcherten Crocs, die ich aufgrund ihres geringen Gewichts zu meinen "Freizeitschuhen" während meiner Wanderung erkoren habe, erweisen sich nun nicht unbedingt als gute Wahl. Schnell sind die Socken nass, bei kaum 5 °C und scharfem Wind nicht unbedingt ein anhaltendes Vergnügen.

 

Wir schwitzen nicht gerade, als wir abends wieder im Hostel ankommen. Kati friert auch noch im relativ warmen Aufenthaltsraum weiter, Anni hat sowieso seit einigen Tagen eine starke Erkältung und friert solidarisch mit. Nach einem großen Topf Nudeln, von Niels in der Selbstversorgerküche angerichtet, in der noch einige andere Backpacker ihre Abendmahlzeit zubereiten, steht eigentlich noch ein Pubbesuch an. Mein angeschlagenes Töchterchen treibt nichts mehr vor die Tür, Niels bleibt brav an ihrer Seite, aber Flo, Kati, Basti und ich machen uns nochmal auf den Weg. Mehr als zwei Pints für jeden werden es bei uns dann aber auch nicht mehr. Außerdem ist schon - wenn auch so gerade - der neue Tag angebrochen, Zeit für einige Mützen voll Schlaf.

 

Aus meinem Zimmerfenster schaue ich hinüber auf das erleuchtete Castle, ein stimmungsvolles Bild zum Abschluss des Tages.

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Der Kronprinz (Dienstag, 19 April 2016 16:15)

    Ja wie jetzt?! Da seid ihr an einem Wochenende in Edinburgh, und schießt euch nicht mit den Schotten im Pub ab? Ich bin entsetzt! Da hab ich mir vor drei Jahren ne ordentliche Sause gegeben.